Mit dem Tode des Papstes Formosus (896) kam für den päpstlichen Stuhl eine Zeit tiefster Erniedrigung. Verwilderte Parteien stritten sich um denselben wie um einen weltlichen Thron.
Während in Italien im 10. Jahrhundert die größte Verwirrung herrschte, stand es in anderen Ländern besser. Deutschland hatte unter Otto I. tüchtige und ausgezeichnete Bischöfe. Durch die Vermittlung des tatkräftigen Kaisers wurden die Wenden bekehrt und das Bistum Magdeburg errichtet. Gleichfalls war Otto I. bemüht, Dänemark, Schweden und Norwegen zu christianisieren. Was der heilige Ansgar daselbst gewirkt hatte, das suchten die heidnischen Stämme wieder zu zerstören. Otto I. schlug 972 den König Harald, der sich dann taufen ließ. Bald nahmen auch König Erich von Schweden das Christentum an. Mehrere Könige von Norwegen hatten England das Christentum kennen gelernt und führten es meist durch englische Geistliche ein, was erst nach manchen Kämpfen gelang.
In dieses Jahrhundert fällt auch die Bekehrung Russlands. Kiew wurde Bischofssitz. Auch Polen trat in die Kirche ein (Bistümer: Gnesen und Posen). In Böhmen, wo das Christentum schon bestand, ließ die Königin Drahomira aus Hass gegen die katholische Religion ihre Schwiegermutter Ludmilla ermorden. Der heilige Wenzeslaus fiel ebenfalls durch den Dolch seines heidnischen Bruders Boleslaus. Letzterer vertrieb die Priester und verfolgte die Christen. Erst unter Boleslaus II., dem Frommen, siegte das Christentum vollständig. 982 wurde der heilige Adalbert Bischof von Prag, von wo aus er gleich einem großen Apostel alle heidnischen Sitten aus Böhmen zu verbannen suchte. Dann ging er als Glaubensbote zu den noch heidnischen Preußen. 997 erhielt er die Marterkrone. Um die Bekehrung Ungarns bemühte sich der König Stephan der Heilige.